Forum Burgenland – Über die Freiheit

Teil 3.: Die Rede

Am Morgen des 30. April war ich sehr nervös. Ich hatte doch niemandem davon erzählt, dass meine Schwester Caroline nicht kommt und ich meinen Plan geändert habe.

Ich habe beschlossen, nach Raiding zu fahren und durchzuziehen, was ich mir vorgenommen habe.

Als ich in Raiding angekommen war, fand ich mein Namensschild auf einem Sessel in den vorderen Reihen und auch das meiner Schwester, die ich schmerzlich vermisste.

Die Vorträge am Vormittag waren sehr interessant und ich habe einige Kollegen und Freunde getroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe.

Es kam die Mittagspause und somit rückte auch mein Auftritt näher. Bevor ich verkabelt wurde, probte ich meinen Auftritt noch einmal im Garten und machte noch einige Atemübungen, um nicht in Ohnmacht zu fallen.

Und dann war es 14h, Zeit für den Contest für junge Ideen. Ich war die Erste.
Der Moderator hat mich und meine Schwester angekündigt. Ich ging alleine auf die Bühne, sehr ruhig, gerade, mit dem Blick nach vorne und stellte mich genau in die Mitte der Bühne. Ich überblickte das Publikum und den großen Saal, dann hob ich meine Arme, begrüßte die Menschen und drückte meine Freude aus – das war der Beginn meines neuen Wegs.

Eva.Maria.Biribauer.Forum.Burgenland.042015

Publikum bei Forum Burgenland in Raiding, 30.April 2015

Ich habe erzählt, dass ich eigentlich mit meiner Schwester kommen wollte, doch die wurde von der Realität des Viel zu Vielem eingeholt, und hat es nicht geschafft zu kommen. Und so bin ich alleine in Raiding, ohne die geplante Performance, ohne beeindruckende Pauken und Trompeten, nur als ich, nur als Mensch.

Ohne Markenname und ohne Firmenlogo.

Ich habe von meiner Läuterung erzählt, die ich in den vergangenen Tagen durchgemacht habe. Dass mich mein Körper dazu gezwungen hat, innezuhalten und nicht so viel zu machen. Zu ruhen und alles genau anzuschauen. Von mehr auf weniger zu reduzieren.
Ich habe gesagt, dass ich den ständigen Wettbewerbsdruck unerträglich finde, und ich glaube, dass viele Probleme unserer Gesellschaft in den vorhandenen Bewertungsmechanismen entstehen. Dies ist auch der Grund, warum ich nicht Teil des Contests sein wollte. Ich habe mich aus dem Wettbewerb genommen, denn zur Umsetzung meiner Ideen brauche ich nicht die Meinung des Publikums. Ich wollte nicht bewertet werden, nicht schon wieder.

Sondern einfach nur auf der Bühne stehen und sagen, was mir wichtig ist.

Und wichtig ist mir etwas, dass außerhalb des Bewertungssystems liegt. Wichtiger als Preise, Geld und Anerkennung.

Schwieriger zu erreichen, aber viel größer, viel wichtiger.

Es ist die Freiheit.

Viele Grüße und Freiheit für uns alle, Eva-Maria Biribauer

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Text von Eva-Maria Biribauer, 19.05.2015

 

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