Nieder mit der Kleinschwanzbande,

Text zum Thema „Game Over“, Carl Mayer Preis 2013

Du bist mein Augenstern, sagst du, während wir gemeinsam in den Nachthimmel blicken.
Du drückst mich an dich und bittest mich um Liebe.
Mir wird schlecht.
Steck dir deinen Stern sonst wo hin, sag ich und dreh mich um. Oft gehört diesen Satz, nie was draus
geworden.

Du bist wunderschön, sagst du mir mit deinem breiten Lächeln.
Ich schaue in deine blauen Augen und bin verliebt.
Im nächsten Moment streichelst du mein Gesicht, liebkost meinen Hals mit deinen starken Händen, bis
du anfängst, zuzudrücken.
Immer stärker, unaufhörlich.
Verwundert schaue ich dich an. Ich werde dich niemals verletzen, sagst du mir leise.

Nieder mit der Kleinschwanzbande, schreit die junge Frau und wird wütend.
Hinaus aus meiner Wohnung.
Mit einem alten Turnschuh wirft sie nach ihm. Er läuft davon, flüchtet aus der Wohnung, hinaus aus
ihrem Herzen, hinaus aus ihrem Haus.

Bring die Romantik um, sag ich, schlag ihr den Kopf ab. Zum Teufel mit all den Liebesliedern,
ins Klo mit roten Rosen. Keinen Wert haben deine Worte. Nichts von Dauer.
Aber doch, ich kann deinen süßen Lügen nicht widerstehen. Will sie aufsaugen und mich gänzlich darin verlieren.
Ich will mit dir spielen, das ewige Spiel der Liebe, in dem es nie Gewinner gibt, nur ständig wechselnde Akteure.
Unser Spiel mag bald zu Ende sein, mein schöner Geliebter, doch dieser Moment gehört nur uns.

Eva-Maria Biribauer, 2012

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